So langsam wird es wirklich schwer, sich der vorweihnachtlichen Stimmung in Deutschland zu entziehen. Aus sämtlichen Fenstern erstrahlen Lichterketten und Leuchtsterne. In den Kaufhäusern laufen nahezu ausschließlich Weihnachtslieder. In den Städten sind die Einkaufsstraßen festlich geschmückt und mittlerweile verabredet man sich eher zum gemeinsamen Glühweintrinken auf einem der vielen Weihnachtsmärkte anstatt sich in ein Café zu setzen.

Weihnachten rückt immer näher. Die ersten drei Türchen sämtlicher Adventskalender sind bereits geöffnet und am Adventskranz brennt bereits das erste Lichtlein.

Der Countdown läuft

An sich sind das alles sichere und eindeutige Zeichen dafür, wann es denn endlich so weit ist. Wann wir uns zu unseren Familien aufmachen werden, uns an einem Tisch versammeln und einen schönen Abend gemeinsam verbringen werden.

Doch wie jedes Jahr werden sicher wieder unzählige Menschen vom Heiligabend überrascht werden und sich wünschen, dass sie sich doch schon viel früher um die Weihnachtsgeschenke gekümmert hätten. Das ist der Moment, in dem die Vorfreude schlagartig in Stress ausartet.

Die Vorfreude auf die gemeinsame Zeit unterm Tannenbaum wird überschattet von der Angst, dort ohne das passende Geschenk zu erscheinen. Was ist, wenn wir nichts finden? Was ist, wenn unser Geschenk nicht den Geschmack des Beschenkten trifft? Oder wenn diese Person unser Geschenk bereit besitzt? All diese Gedanken nehmen wir mit auf die Jagd nach dem einen – dem perfekten – Geschenk.

Für die einen ist die Weihnachtszeit eine beseelte und herzliche Zeit, in der es um Nächstenliebe und Wärme geht. Für die anderen beginnt jetzt die stressigste Zeit im ganzen Jahr. Aus welchem Blickwinkel man das betrachten möchte, ist eine Entscheidung eines jeden selbst.

Die Freude am Schenken

Für manch einen ist das Schenken viel schöner als das beschenkt werden. Ganz egal, was sie von der anderen Person geschenkt bekommen; sie sind glücklich, sobald diese Person glücklich ist. Da ist es naheliegend, dass das Schenken an sich nicht für jeden Menschen den gleichen Stellenwert hat.

Aber was hat es mit den Geschenken denn überhaupt auf sich? Warum ist es uns so wichtig, dass wir an Weihnachten Geschenke unter den Tannenbaum legen?

Es gibt verschieden Theorien, seit wann und warum wir uns an Weihnachten etwas schenken. Die meisten beziehen sich auf die Geburt Jesus Christus und die heiligen drei Könige, die mit ihren Gaben zur Krippe kamen. Aber um den Ursprung des weihnachtlichen Brauchs komplett zu verstehen und zu erklären, würde es vermutlich einen ganz eigenen Beitrag benötigen.

Aber aus welchen Gründen machen wir eigentlich Geschenke?

Das erste Weihnachten in der eigenen Wohnung. (2011) Schön geschmückt mit den Geschenken für meine Liebsten.

  1. Tradition
    Bereits als Kind haben wir gelernt, dass wir uns an Weihnachten beschenken. Wir haben bereits im Kindergarten und in der Schule etwas selbst gebastelt. Und sobald wir das erste eigene Geld verdient haben bzw. das Taschengeld groß genug war, sind wir losgegangen, um nun die Geschenke selbst einzukaufen.
  2. Zeichen der Liebe und Freundschaft
    Warum schenken Männer ihren Frauen des öfteren Blumen? Entweder, weil sie ihrer Liebe einen Ausdruck geben wollen, oder weil sie etwas ausgefressen haben. Manchmal sogar beides. Na gut, Schluss mit den Klischees. Oft machen wir Geschenke, weil wir der anderen Person eine Freude machen wollen. Wir wissen, über was sie sich freuen würde und haben somit beim Einkauf des Geschenks schon das Lächeln auf dem Gesicht unserer Liebsten vor Augen.
  3. Dankbarkeit
    Wir sind so dankbar für das, was die Person für uns getan hat, oder dass sie ein Teil unseres Lebens ist, dass wir uns in Form eines Geschenkes bei ihr bedanken wollen.
  4. Verpflichtung
    Der Andere hat uns auch etwas geschenkt. Eigentlich sind wir gar nicht die engsten Freunde. Aber letztes Jahr haben wir uns auch etwas geschenkt. So haben wir nun einmal eine Tradition geschaffen, die sich nicht so leicht durchbrechen lässt. Wir haben Angst, der anderen Person vor den Kopf zu stoßen, wenn wir das gegenseitige Beschenken nun in Frage stellen und so lassen wir den Brauch einfach weiter bestehen.
  5. Gruppenzwang
    Eigentlich geht es hier weniger um das Schenken an Weihnachten direkt, sondern viel mehr an Bräuche, die man oft in der Vorweihnachtzeit erlebt. Oder wer erinnert sich nicht an das gute alte Wichteln, oder auch Julklapp genannt? Wir ziehen einen Namen und suchen für diese spezielle Person ein Geschenk aus.

Wir machen Geschenke aus den verschiedensten Gründen. Aber ist an Weihnachten nicht die Tradition der Hauptgrund des Schenkens? Wir haben es so gelernt, haben es für uns so übernommen und geben es auch so weiter.

Tradition

Traditionen sind in uns so fest verankert, dass wir sie sich nur schwer ändern – oder gar ablegen – können. Oft bestehen sie seitdem wir denken können und sind ein fester Bestandteil unseres Lebens. Sie geben uns eine Struktur vor, die uns den Alltag erleichtert und uns einen Rahmen vorgibt, in dem wir uns gut zurecht finden und der uns Sicherheit gibt.

Dagegen ist an sich nichts auszusetzen. Jedoch denke ich, dass das Schenken an Weihnachten zunehmend mehr eine Art Eigendynamik angemommen hat, die sich auf reinen Konsum bezieht. Nicht selten kommt es vor, dass ein finanzieller Rahmen vorgegeben wird, in dem sich die Geschenke bewegen sollen. ‚Wir geben aber nicht mehr als X Euro aus, oder?‘

So kommt es, das Weihnachten immer mehr zu einem Austausch von Geld in veränderter Form geworden ist. Zwei Parteien kaufen etwas für Summe X ein und tauschen es dann in Form von Geschenken. Wenn es sich hierbei um wirkliche Wünsche des Anderen handelt, dann hat man alles richtig gemacht. Aber wer kennt das nicht? Das Geschenkpapier ist abgewickelt und im Kopf taucht die Frage auf, was wir jetzt damit anfangen sollen. Oder wir denken uns, dass das ganz nett ist, wir uns das aber nie selbst gekauft hätten.

Schwere und große Tüten? In der Vorweihnachtszeit keine Seltenheit.

Das schönste Geschenk von allen

Es ist absolut nachvollziehbar, wenn man diese Tradition beibehalten möchte. Schenken und beschenkt werden sind wirklich schöne Formen der Zuneigung. Aber was ist, wenn man auf das klassische ‚Christmas Shopping‘ einfach keine Lust mehr hat? Wenn man sich nicht das Einkaufszentrum mit etlichen anderen gestressten Menschen teilen möchte oder keine Freude dabei empfindet, stundenlang das Internet nach passenden Geschenkideen zu durchforsten?

Wir alle haben eine Ressource, die noch viel wertvoller ist, als Geld: Zeit. Keine andere Ressource auf dieser Welt ist gerechter verteilt als diese. Und wenn wir alle etwas gemeinsam haben, dann sind es die 24 Stunden eines jeden Tages. Wenn er einmal vorüber ist, dann wird er auch nie mehr wieder kommen.

Also warum nicht lieber die Zeit, die wir mit der Suche nach dem passenden Geschenk für jemanden verbringen, mit der Person selbst verbringen? Denn in welchen Momenten empfinden wir in der Regel das meiste Glück? In dem Moment, in dem wir das Geschenkpapier aufreißen, oder in den Momenten in denen wir tiefe Unterhaltungen führen, lachen und uns rundum geliebt und angenommen fühlen?

Zeit kann man auf ganz verschiedene Arten schenken:

  • einen gemeinsamen Tagesausflug oder Wochenendetrip planen
  • einen Tag Wellness, z.B. in Form eines Saunabesuchs
  • die andere Person bekochen und den Abend mit ihr verbringen*
  • gerade im Winter ganz passend: einen Tag mit der Person auf der Schlittschuhbahn verbringen
  • ein Theaterbesuch oder ein Abend im Kino
  • ein Museumsbesuch
  • Konzertkarten

Die Möglichkeiten, jemanden mit Zeit zu beschenken, sind nahezu unendlich. Es kommt immer ein Stück weit auf die Person an, der man das Geschenk machen möchte. Jeder freut sich über etwas anderes. Aber sicher freut sich jeder auf das kommende Ereignis mit dir, das er oder sie dann direkt in seinen Kalender eintragen kann.

Warum also nicht wieder mehr auf den wahren Wert von Weihnachten besinnen und die Liebe und Freundschaft über den Konsum stellen?

 

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Ja, es ist kitschig, aber das ist wirklich eines meiner absoluten Lieblings-Weihnachtslieder. Und es passt so wunderbar zum Thema. 🙂

 

*hier ist allerdings Vorsicht geboten, denn man sollte auch kochen können.
So habe ich es als Teenie mal mit meinen Großeltern gemacht und ihnen einen Gutschein geschenkt, mit dem ich sie mal bekochen werde. Ich habe alles mit Liebe vorbereitet und mich an die Arbeit gemacht, während meine Großeltern noch ein wenig in ihrem Garten arbeiteten.
So kam es, dass ich irgendwann in einer völlig verqualmten Küche stand und auf dem Flur der Rauchmelder Alarm schlug. Mir war gar nicht aufgefallen, dass sich da so viel Rauch gebildet hat. Mein Essen war somit zum Teil dann auch nicht mehr genießbar und ich war ganz dankbar, dass Oma noch etwas zu Hause hatte, das sie für uns drei machen konnte…
Den Lacher habe ich noch heute auf meiner Seite. 😉