Seitdem ich mich erinnern kann, haben wir jedes Jahr Weihnachten gefeiert. Ich habe noch Bilder im Kopf, in denen mein Opa jedes Jahr an Weihnachten zu seiner Arbeit fahren musste, um dort die Heizungen auszuschalten. Eigenartigerweise kam immer genau in dem Zeitfenster der Weihnachtsmann zu uns. Als dieser alle Geschenke verteilt hat und wieder zu seinem Schlitten zurückgekehrt ist, kam auch Opa wieder zurück von der Arbeit und ich konnte ihm freudig zeigen, was ich gerade alles ausgepackt habe.

Ebenso kann mich noch gut an die Zeit erinnern, als meine Brüder (die zehn Jahre jünger sind als ich) noch klein waren und wir nach dem gemeinsamen Essen alle zusammen ins Kinderzimmer gegangen sind, um ein bisschen zu spielen. Als wir davon genug hatten und wieder zurück ins Wohnzimmer gingen, war der Weihnachtsmann bereits da gewesen. Oftmals haben wir ihn sogar ganz knapp verpasst. Papa erzählte uns dann, dass dieser nur ganz wenig Zeit hatte und deswegen einfach schon mal alle Geschenke unter den Baum gelegt hat.

Obwohl ich der Magie des Weihnachtsmannes schon lange entwachsen war, war es doch schön zu sehen, wie spannend meine beiden Brüder ihn fanden. Für sie hatte er noch den Zauber, den der Glaube einst auch auf mich ausübte.

Ich glaube, egal in welcher Familie in Deutschland man sich umhört; jede Familie hat so ihre Geschichten, wie sie die Bescherung gestaltet hat und wer schon alles den Part des Weihnachtsmannes übernommen hat.

Heilige Nacht

Aber wo kommt der Weihnachtsbrauch eigentlich her?

Für Kinder ist die (Vor-)Weihnachtszeit immer eine besonders spannende Zeit

Der früheste Beleg für diesen Ausdruck stammt bereits aus dem Jahre 1170. Das Wort Weihnachten setzt sich aus zwei Komponenten zusammen. Aus dem altgermanischen Wort wiha ‚heilig‘, welches sich aus der Grundform des Verbs wiƷjan ‚weihen‘ ableitet und dem Wort naht. Übersetzt bedeutet er also ‚heilige Nacht‘.

Damit gemeint ist – für die meisten wenig überraschend – die Geburt Jesus Christi. Jesus galt als Sohn Gottes und wurde auserwählt, die Menschen von ihren Sünden zu erlösen, welches ihm auch den Namen ‚Christus‘ einbrachte (‚der Gesalbte‘, oder ‚der Erlöser‘). In sofern wird an Weihnachten auch ein Stück weit die ‚Menschwerdung Gottes‘ in Jesus gefeiert.

Dabei ist eigentlich gar nicht genau bekannt, wann die Geburt Jesu Christi tatsächlich stattgefunden haben soll. Niedergeschrieben lässt sich dazu kein Datum finden. Jedoch finden sich viele Zusammenhänge zum Tag der Wintersonnenwende (der zu damaligen Zeiten noch auf dem 25.12. lag) und dem Ehrentag des römischen Sonnengottes Sol, der am 25.12. gefeiert wurde. Somit finden sich einige Parallelen, die mit dem Zusammenhang der dunkelsten Zeit des Jahres und der wiederkehrenden Helligkeit zu tun haben. So soll Jesus einmal gesagt haben ‚Ich bin das Licht der Welt‘.

Weihnachten ist zusammen mit Ostern und Pfingsten eines der Hauptfeste, die während des Kirchenjahres gefeiert werden. Im Laufe der Zeit hat sich Weihnachten aber zunehmend mehr in ein kulturelles Fest gewandelt und wird auch von Menschen gefeiert, die mit der Kirche wenig bis gar nichts zu tun haben. Nicht selten steht es auch in der Kritik, zum Konsumfest geworden zu sein.

Geschenke

So ist es ganz normal, dass vor Weinachten viel Trubel in den Kaufhäusern herrscht und jeder auf der Suche nach dem perfekten Geschenk für seine Liebsten ist.

Tatsächlich handelt es sich mit dem Schenken sogar um eine uralte Tradition. So wurde bereits im Jahre 1535 von Martin Luther propagiert, dass die Geschenke, die bis dato noch am Nikolaustag gemacht wurden, an Weihnachten verschenkt werden. Auf diesem Wege wollte er das Interesse der Kinder wieder mehr auf die Geburt Jesu Christi lenken.

Mittlerweile hat sich die Weihnachtszeit im Einzelhandel zur umsatzstärksten Zeit des Jahres entwickelt und wird sogar oft schon Ende August / Anfang September durch den Verkauf von Weihnachtsgebäck, Spekulation, Dominosteinen und Schoko-Weihnachtsmännern eingeläutet.

Coca-Cola und der Weihnachtsmann

Die Gerüchte, dass Coca-Cola den Weihnachtsmann erfunden hat, halten sich wahrhaftig hartnäckig. Ich muss gestehen, dass ich es eine ganze Weile selbst geglaubt habe. Es stimmt zwar, dass Coca-Cola das Bild des Weihnachtsmannes stark geprägt hat, aber die Ära des Coca-Cola Weihnachtsmannes begann erst im Jahr 1931, als jährlich mindestens ein neues Motiv für den Weihnachtsmann für Werbezwecke verwendet wurde.

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Ursprünglich wurde Santa Claus von niederländischen Auswanderern ins heutige New York gebracht. Diese führten ihren Sinterklaas-Brauch dort fort, woraus sich im Laufe der Zeit die heutige Version den allgemein bekannten Santa Claus entwickelt hat.

Bereits im Jahr 1822 wurde (damals noch der Nikolaus) als lustiger Elf mit kleinem runden Bauch, ganz in Fell gekleidet, mit glitzernden Augen, rosigen Bäckchen, einer Nase wie eine Kirsche, einem langen weißen Bart und einer Pfeife beschrieben. Ebenso war die Rede von einem gutmütigen, fröhlichen Mann in einem roten Mantel. Bis ins 20. Jahrhundert wurde er aber auch vermehrt in den Farben blau, braun und gold dargestellt. Somit bediente sich Coca-Cola einfach der bekanntesten Variante, die super zu den Farben des Getränkekonzerns passten.

Der Mythos, dass der Weihnachtsmann nachts mit einem fliegenden Schlitten ankommt, der von Rentieren gezogen wird, entstand im Jahre 1823 durch das anonym veröffentlichte Gedicht ‚The Night before Christmas‘. Dort ist auch das erste Mal die Namensnennung der einzelnen Rentiere nachzuvollziehen.
Rudolph kam übrigens erst 1939 durch ein Gedicht von Robert L. May hinzu.

Es ist wirklich spannend zu sehen, wie sich alles mit der Zeit weiterentwickelt und Stück für Stück an Details dazu gewinnt. Hier und da lässt jemand seiner Fantasie seinen Lauf und kurz darauf ist es Teil eines Konstrukts, dass sich wie eine Sage um die Figur des Weihnachtsmannes rankt.

Der Sinn von Weihnachten

In den Städten (hier in Prag) wird zu Weihnachten wunderschön geschmückt

Doch ist es im Grunde genommen nicht egal, ob der Weihnachtsmann, dass Christkind oder doch ‚einfach nur‘ die Oma die Geschenke überreicht? Im Grunde genommen geht es um Liebe, um Dankbarkeit, um die Familie und um die Zeit, die gemeinsam verbracht wird. Die leuchtenden Kinderaugen, die dem Zauber der Weihnachtszeit verfallen sind und sich auch als Erwachsene Menschen noch gerne daran zurückerinnern.

Auch wenn in der Weihnachtszeit viel Stress im Einzelhandel und auf der Straße herrscht, so empfinde ich die (Vor-)Weihnachtszeit doch immer als eine warme und herzliche Zeit. Die Fenster sind wunderschön geschmückt und die Städte zieren ihre Straßen mit leuchtender Dekoration. Die Tage werden immer kälter und dunkler die Herzen der Menschen sehnen sich nach Wärme und Geborgenheit. In keiner Zeit im Jahr wird so viel gespendet, wie zur Weihnachtszeit. Wir alle wollen Liebe spüren und Liebe geben.

Und ist nicht der schönste Weihnachtsbrauch auch zeitgleich mit der älteste? Sich gemeinsam mit anderen aus tiefstem Herzen zu freuen?

 

 

 

(Bild auf pinterest thinkaboutit Stammbaum Coca Cola)

Quellen außerhalb meiner Erfahrungen:
WeihnachtenHelles KöpfchenWeihnachtsmann und Coca-Cola