So ziemlich jeder hat einen dieser Menschen in seinem Umfeld: Einen Menschen, der seine Geschenke mit einer Sorgfalt öffnet, dass selbst Chirurgen neidisch werden könnten. Das Geschenk wird ganz vorsichtig in den Händen gehalten, die Schleifen gelöst und in seelenruhiger Handarbeit wird Tesa-Streifen für Tesa-Streifen abgelöst. Nachdem das Geschenk begutachtet und sich bedankt wurde, wird das Geschenkpapier sauber glattgefaltet und zusammengelegt.

Während alle anderen in Bergen ihres Geschenkpapiers sitzen (mit dem sie sich noch wenige Stunden zuvor abgemüht haben), hat dieser besondere Mensch bereits ordentlich und makellos gefaltetes Material für seine nächsten Geschenke gesammelt.

Am nächsten Morgen sehen wir dann, dass sämtliche Mülltonnen mit Verpackungsmüll überquellen. Mit Papier, das seinen Zweck eigentlich bereits nach wenigen Minuten erfüllt hat und dann unbedacht weggeworfen wird.

Bei dieser Geschichte handelt es sich nicht aber um ein erfundenes Szenario. Es handelt sich um eine 93 Jahre alte Urgroßmutter, die ihrem Urenkel mit einer ganz besonderen und besonnenen Selbstständigkeit zeigt, dass Papier kein Einweg-Artikel sein muss und eigentlich zu schade ist, um es direkt wieder zu verwerfen.

Sie lässt ihren Urenkel ins Grübeln kommen. Was wäre, wenn…? Wenn es eine wiederverwendbare Verpackung gäbe, die sich bequem falten und beliebig oft wiederverwenden ließe? Wenn es diese für verschiedene Anlässe und Geschmäcker gäbe? Und in verschiedenen Designs? Wenn sie am besten noch in Bio-Qualität und aus lokaler Produktion käme?

Die Umwelt würde sich freuen. Der Empfänger des Geschenks würde sich freuen. Und die Uroma wäre begeistert!

Eine Idee war geboren.

So simpel – und doch so herrlich originell!

tekspaks- geschenkpapier aus stoff - nachhaltig schön verpacken

Verschiedene Designs für verschiedene Geschmäcker

Durch einen Radiobeitrag bin ich auf TEKSPAKS aufmerksam geworden. Leider lief der Beitrag während ich am Arbeiten war und so konnte ich nicht alles hören. Da ich im groben aber das Wichtigste mitbekommen habe, konnte ich mir die Stichworte ‚Geschenkpapier, waschbar und bügelbar‘ notieren und zu Hause im Internet danach suchen. Schnell fand ich die Seite von TEKSPAKS und war begeistert von der Idee und der Umsetzung.

Geschenkpapier aus Stoff. Wie originell ist das?! Wieso bin ich, als kleine Nähbiene, eigentlich nie auf die Idee gekommen, obwohl ich doch schon so lange auf der Suche nach einer Alternative zu den bisherigen Geschenkverpackungen war…?

Das Geschenkpapier kann alles, was man sonst mit Papierrolle, Tesa-Streifen und Schleifenband macht. Und das smarte daran: Es vereint alles in Einem, denn das Schleifenband ist direkt am Stoff befestigt. Damit es auch für jeden Geschmack und jeden Bedarf etwas Schönes gibt, gibt es die TEKSPAKS Geschenkpapiere in verschiedenen Mustern und Größen. So kann man vom Gutschein bis zur Carrera-Bahn alles hübsch und nachhaltig verschenken.

Beim Durchstöbern der Internetseite war ich begeistert, wie nachhaltig und weit dieses Unternehmen denkt. Zwei Punkte stachen dabei so positiv raus, dass sie unbedingt mit euch teilen möchte:
So bieten sie ihr Geschenkpapier nicht ausschließlich zum Kauf an, sondern geben auch das Schnittmuster zum kostenlosen Download und Selbstnähen an.
Ebenso ist es in Planung, geflüchtete Menschen mit einer Arbeitserlaubnis zu beschäftigen und ihnen somit eine große Chance anzubieten, in Deutschland Fuß zu fassen.

Nachgefragt

Das was ich auf der Seite gelesen habe, hat mir so gut gefallen, dass ich unbedingt noch mehr erfahren wollte.
So habe ich Dittmar Frohmann, den Gründer von TEKSPAKS einige Fragen gestellt und sehr schöne Antworten erhalten.

(m.g) Die Erzählung zu der Urgroßmutter habe ich online ja bereits mit einem kleinen Schmunzeln nachlesen können. Was mich weitergehend dazu noch interessieren würde, ist die Reaktion der Freunde und Bekannten, die das erste mal ein Geschenk mit eurem Geschenkpapier erhalten haben. Waren sie verdutzt, belustigt, oder direkt begeistert? Und wie hat sich die Annahme im Laufe der Zeit verändert?

(tekspaks) Ich verschenke die TEKSPAKS erst seit wenigen Monaten und sie kommen tatsächlich oft besser an als die Geschenke. Ich erinnere mich nicht ungerne an die offensichtliche Enttäuschung des ersten Beschenkten, als ich den Prototypen – der gerade vom Schneider gekommen war und noch gebraucht wurde – zurückfordern musste. Mit einem „I don’t read!“ wurde das geschenkte Buch abfällig auf den Tisch mit den anderen Geschenken geworfen und die Verpackung nur widerwillig retourniert. Die TEKSPAKS regen auch jedes Mal unweigerlich eine Diskussion über Ressourcen-Verknappung an. 

Im Familienkreis haben sie die TEKSPAKS als integraler Bestandteil unserer Festivitäten gemausert. Jeder hat seinen Lieblings-PAK und gerade in Kombination unter dem Weihnachtsbaum oder auf dem Geburtstagstisch verleihen sie dem Fest diesen besonderen, heimeligen Touch. Man bezeichnet das momentan als hygge. 

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Schenken in einem Stück – Stoff uns Schleife sind direkt miteinander verbunden

(m.g) Ich habe gelesen, dass es geplant ist, geflüchtete Menschen mit einer Arbeitserlaubnis zu beschäftigen. Dazu kamen mir zwei Fragen auf: 1. Wer näht die Geschenkpapiere aktuell? 2. Ist es schwer, diesen geflüchteten Menschen einen Arbeitsplatz zu geben? Und werden einem Unternehmen dabei viele Steine in den Weg gelegt? Bzw. viele Regularien auferlegt?

(tekspaks) Soziale Verantwortung und Integration liegen uns am Herzen. Momentan produzieren wir lokal in Berlin – meine Geschäftspartnerin Anne Pesch näht die TEKSPAKS bei sich zuhause im Nähzimmer. 

Wir hatten ein Crowdfunding angestoßen, um die Beschäftigung von Asylanten zu forcieren, dieses ist aber leider nicht durchgekommen, was wirklich schade ist. Unternehmen werden hier keinerlei Steine in den Weg gelegt, alles ganz normal, wie mit jedem Beschäftigungsverhältnis. Das Problem ist die fehlende Arbeitserlaubnis, die die Geflüchteten, deren Asylantrag noch nicht bewilligt wurde, zur Untätigkeit zwingt. Und so eine Entscheidung kann extrem lange dauern.

(m.g) Welches sind eure Zukunftsvisionen? Speziell in Bezug auf TEKSPAKS (gibt es Ziele und Wünsche oder gar Ideen, das Produktangebot noch zu erweitern?), aber auch ganz allgemein in der Welt des Schenkens. 

(tekspaks) Die Zukunftsvision ist klar: Wir wollen eine Entwicklung forcieren, die, analog zur schon längst gewonnenen Schlacht Plastiktüte vs. Baumwollbeutel, oft mit Laminaten und Schwermetallen belastete Geschenkpapiere mit wiederverwendbaren, textilen Verpackungen ersetzt. Wir wollen schon Geld verdienen, aber es geht uns nicht primär um den kommerziellen Erfolg. Deshalb stellen wir den Schnitt auch unter ein Creative Commons Lizenz kostenlos zum privaten Gebrauch zur Verfügung. 

Über steigende Produktionsmengen werden wir den Preis schrittweise herunter bringen, damit sich mehr Menschen TEKSPAKS überhaupt leisten können. Ich plane auch die Herstellung eigener Stoffe, die wir dann lokal in Berlin produzieren, sowie die Zusammenarbeit mit Künstlern und Mode-Labels.  

(m.g) Und ganz interessant finde ich auch: Wie versendet ihr? In welcher Umverpackung kommt das Geschenkpapier beim Kunden an?

(tekspaks) Jetzt hast du mich erwischt. Das ist bislang noch ein ungelöstes Problem. Ein derartiges Produkt in Plastik zu verpacken, wäre praktisch und günstig zu realisieren, aber absolut absurd. So wie die doppelt in Plastik verpackte Bio-Ware beim Discounter. Momentan versende ich noch in einem einfachen Papierumschlag, arbeite aber mit einer Origami-Spezialistin an einer Faltung, mit der sich das TEKSPAKS quasi selbst verpackt und man auch bei Sets, die verschiedenen Muster sehen kann. Hier soll auch ein POS-Display für Zwischenhändler entstehen, das die TEKSPAKS optimal präsentiert, ohne viel Fläche einzunehmen. 

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So schön kann Schenken sein

Schenken war noch nie so schön

Also bevor wir jetzt in der Vorweihnachtszeit alle in die Dekoläden unseres Vertrauens stürmen und uns Gedanken machen, mit welchem dieser bunten Papiere wir alle unsere Geschenke einpacken, sollten wir im Hinterkopf haben, dass es auch noch andere wunderschöne Möglichkeiten gibt, unsere Präsente zu übergeben. Denn was wirklich zählt, ist das eigentliche Geschenk unter der Verpackung. Und was darüber hinaus eigentlich sogar noch mehr zählt, ist der Gedanke, den sich der Mensch gemacht hat, der dieses Geschenk gerade macht.