Plastik.

Was geht dir durch den Kopf, wenn du dieses Wort liest? Denkst du an bunte Tupper-Dosen, an die Shampoo-Fläschchen in deiner Dusche, an die Cola-Flasche in deinem Kühlfach, an deine Sneaker, oder an die Gartenmöbel deines Nachbarn?

Nach Plastik braucht man heutzutage nicht lange suchen um zu merken: Es ist überall um uns herum. Wir nutzen es in sämtlichen Bereichen unseres täglichen Lebens und erfreuen uns daran, wie vielseitig und praktisch es ist.

Kaum ein Stoff bestimmt das Leben in unserer modernen Zeit so wie dieser. Er ist allgegenwärtig und in den verschiedensten Formen, Farben und Größen zu finden. Meist können wir ihn schnell erkennen, aber in manchen Fällen ist er kaum wahrnehmbar und gut versteckt.

Doch wie bei allem im Leben gibt es auch hier zwei Seiten der Medaille:
Die Vorderseite: Es ist super robust und extrem langlebig.
Die Rückseite: Es ist super robust und extrem langlebig.

Wusstet ihr, dass wir in den letzten zehn Jahren mehr Plastik produziert haben, als in dem gesamten Jahrhundert davor? Und wusstet ihr auch, dass nahezu jedes Stück Plastik, das jemals produziert wurde noch auf unserem Planeten existiert?

Wie kam ich eigentlich zu dem Thema?

Das Coverbild der Dokumentation
Bild: plasticoeceans.org

Es war einer dieser gemütlichen Abende mit meinem Freund. Wir wollten es uns auf dem Sofa bequem machen und einen Film anschauen. Das machen wir zwar recht selten, ist aber eigentlich nichts besonderes. Nachdem wir uns weder für eine Komödie, noch für einen Actionfilm begeistern konnten, haben wir uns überlegt, dass wir uns mal wieder eine Doku anschauen können. Das ist immer besonders spannend, da die Pause-Taste dann gefragter ist, denn je. Ständig stoppen wir den Film und tauschen uns über gerade gesehenes aus. So eine Doku von anderthalb Stunden kann dann gut und gerne mal fast drei Stunden lang gehen,… 😉

Unsere Wahl fiel auf Plastic Ocean. Im Grunde genommen sprach mich das Cover-Bild zuerst an. Ein Wal inmitten eines strahlend blauen Meers. Dazu stand ein Text, das der allgemeinen Umweltverschmutzung auf die Spur gegangen wird. ‚Klingt spannend. Sehen wir uns an.‘

Was dann kam, stimmte mich zutiefst nachdenklich und zu einem großen Teil auch traurig. In Bildern zu sehen, zu was ich und all die Menschen mit ihrem Konsum-Verhalten beitragen und welche fatalen Auswirkungen das auf die Natur, die Tierwelt und uns Menschen hat war wirklich unglaublich. Wie kann es sein, dass dafür so wenig Bewusstsein herrscht?

Diese Dokumentation gehört zu den wenigen Filmen, von denen ich sage, dass sie mein Denken  komplett verändert haben.

Warum? Das möchte ich jetzt in einer Zusammenfassung mit euch teilen.

Die Erde – der blaue Planet

Wie schön blau unsere kleine Wunderkugel aussieht, wenn wir sie aus dem Weltall betrachten, das weiß jeder von uns. Wunderschön und mächtig umschließen die Ozeane unser Kontinente und bilden dabei oft die malerischsten Küsten und die schönsten Traumstrände.
Nicht selten zieht es uns Menschen zum Ausspannen ans Meer. Wir verlieren uns gedanklich in diese endlosen Weiten. Es kann auch vorkommen, dass wir andächtig werden und über uns und unser Leben philosophieren.

Bring mich ans Meer und ich bin glücklich <3

Doch kaum einer weiß, was unter der Oberfläche geschieht. Wie viel Leben außerhalb unserer Blicke auf die funkelnde Wasseroberfläche besteht. Wie viele Tiere das Meer als ihr zu Hause sehen. Ein zu Hause, das längst übersät und dekoriert ist – mit unserem Plastikmüll.

Stell dir einmal vor, du hast ein wunderschönes Zuhause. Alles ist nett hergerichtet, du hast dir in deinem Garten sogar ein kleines Beet angerichtet, in dem du ein bisschen Obst und Gemüse für dich und deine Familie wachsen lässt. Jetzt kommt dein Nachbar daher und schüttet dir seinen Abfall in deinen schönen Garten. Erst in eine kleine Ecke – du bemerkst es kaum und denkst dir, dass es sich sicher um ein Versehen handelt. Nun bleibt es aber leider doch kein Einzelfall und es kommt immer mehr Müll dazu. Du realisierst langsam, dass du diesen Müll niemals wieder los werden wirst. Dass er sich durch äußerliche Einflüsse nur in seiner Form verändern und zu immer kleiner werden Teilen zerlegen wird, die sich schließlich auch in deinem Obst und Gemüse anreichern werden, das du gern essen möchtest.

Gruselig, oder?

Genau das geschieht Tag für Tag unter der glitzernden Wasseroberfläche. Über 8 Millionen Tonnen Plastik werden jedes Jahr in unseren Ozeanen entsorgt. Wir denken, dass wenn wir etwas in den Müll werfen, oder von einem Boot, dass es dann ‚weg geht‘. ‚Ah, jetzt sind wir frei von Plastik.‘
Mitnichten. Das Meer sammelt es einfach nur für uns. Egal, ob in über anderthalb Kilometern Tiefe oder auf der Wasseroberfläche – wir finden Plastik überall. In sämtlichen Formen und Farben. Plastik löst sich nicht auf. Es wird nur immer kleiner.

Klein – aber oho

Dass Mikroplastik (leider viel zu oft) in Peelings und Shampoo enthalten ist, ist wahrscheinlich kaum jemandem neu. Aber auch aus groß wird einmal klein.

Durch die Bewegung der Wellen und des Wassers, das Stoßen auf beispielsweise Steine, das ultraviolette Licht der Sonne und das Salz werden große Plastikteile zu kleinem, kaum sichtbaren Plastiksmog zersetzt. Im Wasser enthaltene Chemikalien (etwa aus dem Abwasser der Umgebung, oder vom Müll lösliche Substanzen) setzten sich an den scharfen Kanten der Mikroplastik-Teilchen ab und werden so zu kleinen Giftpillen, die ihren Weg in die Nahrungsketten auf unserer Welt finden.

Die Wale dieser Meere fressen, in dem sie ihr Maul weit aufreissen und alles einsaugen, was auf ihrem Weg liegt. Dabei ist es für sie unmöglich zu unterscheiden, ob sie nun Krill oder Plastik zu fressen bekommen. Aber egal, wie groß oder klein der Fisch ist: Sie alle fressen regelmäßig Mikroplastik, welches sich dann im Muskelfleisch der Tiere absetzt und am Ende der Nahrungskette nicht selten auf den Tellern der Menschen landet. Im Mittelmeer beispielsweise stehen Plankton und Plastik im Verhältnis von 1:2. Das heißt, dort findet man doppelt so viel Plastik, wie es Plankton gibt.

Verhungern mit vollem Magen

Verhungert – trotz vollem Magen
Bild: Aus einer Bilderreihe von Higher Perspective

Und so geht es nicht nur den Walen und Fischen. Es gibt leider mehr als genug Bildmaterial, das zeigt, wie Schildkröten an im Wasser schwimmenden Plastiktüten zerren, weil sie diese mit Quallen verwechseln. Das Resultat sind dann leider oftmals Tiere, die nicht mehr richtig tauchen können, da das Plastik in ihren Mägen Gas produziert, welches sie an der Wasseroberfläche hält. Dabei ist doch Tauchen für sie enorm wichtig, um sich ihre Nahrung beschaffen zu können.

Auch Seevögel leiden unter dieser Problematik. Zum einen fressen sie die Fische, die bereits Mikroplastik aufgenommen haben. Zum anderen sammeln sie beim Jagen aber auch immer wieder im Wasser treibende Plastikteilchen ein, die sie dann selbst fressen, oder an ihre Jungen weiter verfüttern. Auch bei Vögeln, die ihren Nachwuchs kilometerweit im Landesinneren aufziehen, wurden Plastikteile im Magen der Nesthocker gefunden. Es ist also kein Problem, dass an die Grenzen des Wassers gebunden ist.

Nicht selten verenden diese Vögel mit einem vollen Magen – oder viel mehr an einem vollen Magen. Da sie mit der Zeit immer mehr Plastik aufnehmen, den ihr kleiner Körper nicht mehr ausscheiden kann, verhungern sie mit einem prall gefüllten Bauch. Teilweise beträgt das Gewicht des mit Plastik gefüllten Magens bis zu 15% des gesamten Körpergewichts des Tieres. Übertragen auf einen 65kg wiegenden Menschen wären das 9,75kg. Knapp 10 kg würde allein der Magen dann wiegen. Kaum vorstellbar, was das für eine Last das bedeuten würde.

Hormone im Plastik?

Der überwiegende Anteil des Plastiks, das wir heute sehen und nutzen besteht auf der Basis von Erdöl. Ein Rohstoff, der zwar in recht großen Mengen vorhanden ist, aber eben auch nicht unendlich förderbar ist.

Damit das Plastik schlussendlich auch wirklich die Eigenschaften aufweist, die unseren Anforderungen daran entsprechen, werden ihm sogenannte Additive beigemischt. Hierbei handelt es sich um Stoffe, die gewisse Eigenschaften mit sich bringen. So gibt es beispielsweise Farbstoffe, Weichmacher und Stabilisatoren.

Viel zu oft stellen diese Additive jedoch einen großen Nachteil dar: Sie wirken sich schädigend auf unsere Gesundheit aus. Aus dem Plastik lösen sich mit der Zeit Stoffe, die dann über die Nahrung, die wir darin lagern, oder darin enthaltene Getränke in unseren Körper gelangen.
So ist zum Beispiel landläufig bekannt, dass BPA (welches die Stabilität und Bruchfestigkeit von Plastik erhöht) hormonell wirksam ist. Es gaukelt unserem Körper vor, dass es sich hierbei um ein Östrogen handelt. In gleichen Teilen für Mann und Frau schädlich, da es sich um ein Sexualhormon handelt und der Körper sich dementsprechend anpasst und verhält. Bei Männern wird in dem Zusammenhang besonders von eingeschränkter Produktion der Spermien gesprochen.

Doch BPA ist nicht der einzige ‚Bad Guy‘. Auch wenn auf Plastikgegenständen ‚BPA-Frei‘ steht, so sondern bis zu 90% davon dennoch Stoffe mit östrogener Aktivität ab. Ebenso setzten Farbstoffe und Latex, im Grunde genommen sogar alle Silikone, hormonell wirksame Stoffe frei. Besonders aktiv geschieht dieser Prozess, wenn das Plastik von der Sonne beschienen wird.

Ein System ohne Grenzen

Ein Nummernschild treibt in einem Binnensee in Berlin

Auf unserem Planeten gibt es eigentlich keine Grenzen. Nur die, die wir Menschen gesetzt haben. In der Natur ist alles miteinander verbunden. So kann beispielsweise Müll aus den USA seinen Weg bis in die Antarktis finden. Durch Strömungen ist alles miteinander verbunden. So bestehen auch große Chancen, dass unser Plastikmüll seinen Weg in die Ozeane findet, auch wenn wir nicht in der Nähe der Meere leben.

Wir leben auf dem Planet Erde – nicht auf dem Land, nicht in Deutschland, nicht in Berlin. Das gesamte Ökosystem der Erde basiert auf einem gesunden Ozean. Wenn ein Teil dieses Planeten nicht mehr richtig funktioniert, dann wird das gesamte Leben auf der Erde darunter zu leiden haben.

Fang bei dir an

Jede andere Spezies auf diesem Planeten arbeitet und lebt für das Wohl der Ökologie und der Umgebung, in der sie lebt. Nur wir Menschen verhalten uns leider so, als wären wir nur Passagiere auf dieser Erde.

Es liegt an jedem Einzelnen von uns, diese Art der Plastikverschmutzung zu lösen. Wenn jeder sich ein bisschen (mehr) um sich und seine Umwelt sorgt, dann können wir schon sehr viel erreichen.

Ich habe hier mal ein paar Tipps gesammelt, bei denen man Plastik(-Müll) einsparen kann:

  • Schaue vor dem Kauf von Pflegeprodukten, ob sie Mikroplastik enthalten. Das kannst du zum Beispiel mit der App Code Check machen.
  • Nutze lieber Glas, oder Stainless-Steel Flaschen anstatt Plastikflaschen für deine Getränke.
  • Frage dich im Supermarkt, ob es dein Wunschprodukt auch ohne Plastikverpackung gibt. Wenn nicht, lasse den Plastikmüll direkt dort, sodass dieser sich um fachgerechte Entsorgung kümmert.
  • Wenn du die Möglichkeit hast, dann kaufe auch mal in Original Unverpackt Läden ein.
  • Vermeide Einweg Besteck, oder To-Go-Becher.
  • Kaufe statt dem eingeschweißten Brot aus dem Supermarkt lieber ein frisch geschnittenes Brot vom Bäcker.
  • Habe immer einen Stoffbeute dabei. So bist du bei spontanen Einkäufen nicht versucht eine Plastiktüte kaufen zu müssen. Spart also auch Geld. 😉
  • Lege plastikfreie Tage ein. Vielleicht einmal die Woche oder einmal im Monat. An diesem Tag kaufst du nichts ein, dass in Plastik verpackt ist, oder aus Plastik besteht.

Diese Dokumentation war für mich spannend und erschütternd zu gleich. Es ist erschreckend zu sehen, wie sorglos wir Menschen mit unserem Planeten – unserem Zu Hause und dem zu Hause vieler anderer Lebewesen – umgehen.

Die Tiere dieser Welt verdienen den blauen Ozean, nicht die Müllhalde, zu der wir ihn machen. Dies zu ändern beginnt mit dem Einzelnen. Es beginnt mit uns.

Wo kann ich mir diesen Film ansehen? Gibt es noch mehr Infomaterial?

Die gesamten Dokumentation könnt ihr euch kostenlos auf Netflix anschauen. Leider gibt es sie dort nur auf Englisch. Es besteht aber die Möglichkeit, sich deutsche Untertitel einblenden zu lassen.

Aus meiner Sicht eine absolut sehenswerte Dokumentation, die zum Nachdenken anregt und uns unsere täglichen Handlungen hinterfragen lässt. Ganz ohne erhobenen Zeigefinger, dafür mit viel Inhalt und Tiefgang.

Falls du gern noch mehr Informationen zu genau dieses Thema haben möchtest, dann kann ich dir wärmstens den Blog ozeankind empfehlen. Marina und Micha haben eine große Mission und geben unzählige wertvolle Tipps und Informationen.

Du kannst natürlich auch direkt auf der Seite von Plastic Oceans stöbern. Auch dort gibt es einen Blog mit Informationen, der regelmäßig geupdatet wird.