Stellen wir uns einen schönen weißen Strand vor. Wir hören das Meer rauschen, riechen das Salz in der Luft und spüren den warmen Sand unter den Füßen. Über uns kreisen ein paar Möwen und die Sonne zeigt sich von ihrer schönsten Seite.
Wir beginnen unseren Spaziergang entlang des Wassers; hinter uns eine Spur unserer Fußabdrücke im Sand. Ganz unbemerkt und leise. Wir nehmen sie quasi gar nicht wahr. Dennoch ist sie da, unsere ganz persönliche Spur. Zumindest so lange, bis der Wind oder das Wasser sie wieder verwischen und niemand mehr sieht, wo wir lang gelaufen sind.

Anders als bei den Spuren im Sand verhält es sich mit dem ökologischen Fußabdruck. Die Spuren, die wir mit ihm hinterlassen sind langanhaltender. Sie sind noch Jahrzentelang sichtbar, auch wenn wir sie nicht direkt sehen können.

Earth Overshoot Day

Im Durchschnitt benötigen wir bei aktuellem Lebensstil weltweit fast 2 Erden pro Jahr. Bild: Global Footprint Network

Egal, was wir in unserem Alltag nutzen. Alles, was wir anfassen können, entspringt in irgendeiner Form der Natur. Sei es die Kleidung, die wir tragen, die Bücher, die wir lesen oder das Bett, in dem wir schlafen. Ja auch das Handy, welches wir tagtäglich bei uns tragen und ohne das wir teilweise ganz schön aufgeschmissen wären, hat seinen Ursprung aus natürlichen Stoffen.

Doch auch wenn unser Planet so unendlich viel zu bieten hat, so sind seine Ressourcen doch endlich. Wir Menschen sind wahre Meister darin uns dieser Ressourcen zu bedienen und sie für uns umzuwandeln. Zum Teil zur Verwendung in der Nahrungsmittelindustrie, zur Verarbeitung in die Kleiderindustrie, als Brennstoff oder als Rohstoff für Möbel oder technische Geräte. Die Möglichkeiten sind nahezu unbegrenzt. Täglich kommen neue innovative Ideen dazu.

Doch wir sind dabei schneller als die Erde. Wir stoßen mehr CO2 aus, als unsere Bäume absorbieren können. Wir fischen mehr ab, als dass sich die Bestände wieder erholen können und wir fällen mehr Bäume, als wieder nachwachsen können. Wir leben über die Verhältnisse und verbrauchen mehr Ressourcen, als die Erde in einem Jahr neu produzieren kann. Dafür gibt es sogar einen Namen: Den Earth Overshoot Day (Weltüberlastungstag). Jedes Jahr errechnet die Organisation Global Footprint Network, wann der Tag der Überlastung gekommen ist. Dieses Jahr fiel er weltweit auf den 02. August, der deutsche Overshoot Day war sogar schon am 24. April. Wenn die gesamte Erde leben würde, wie wir Deutschen, dann wären dafür mehr als drei Erden nötig.
Zum Vergleich: Zu Beginn der Errechnung im Jahr 1987 fiel der Earth Overshoot Day noch auf den 19. Dezember.

Eine der größten und immer schneller ansteigenden Problematiken hierbei ist der CO2-Ausstoß einer der größten Faktoren in den Berechnungen. Bis zu 60% des Fußabdrucks weltweit fallen darauf zurück.

Der Ökologische Fußabdruck

Wenn man das liest, ist es schwer, den Zusammenhang zwischen dem eigenen Handeln und diesen Zahlen zu finden. Es scheint kaum greifbar zu sein, welchen Anteil man daran hat und in welcher Form sich der eigene Einfluss bemerkbar macht. Die Summe jedoch ist das Ergebnis eines jeden Einzelnen. Und so liegt es auch an jedem Einzelnen, wie groß oder klein sein eigener ökologischer Fußabdruck ist. Dieser Wert zeigt an, wie viele Erden benötigt würden, wenn jeder so leben würde wie wir.

Aber wie finde ich denn jetzt heraus, wie groß mein persönlicher Fußabdruck ist?

Um das ganz einfach zu testen, gibt es verschiedene Seiten, auf denen man einen kostenlosen und anonymen Test machen kann. Man beantwortet diverse Fragen zu den Themen Wohnraum, Reisen, Mobilität und Ernährung. All diese Fragen dienen als einzelne Parameter, die sich dann zu einem Endergebnis zusammen fügen.

Ich habe mich durch ein paar Seiten geklickt und möchte gern meine beiden Favoriten mit euch teilen:

Der Fußabdrucktest von Brot für die Welt.

Dieser ist super einfach und zeigt gleich beim Klick auf die persönlich Antwort bildlich, welchen Effekt unser konkretes Handeln hat. Die Fragen sind recht allgemein gefasst, passen aber auf so ziemlich jedes Lebenskonzept. Nach Beendigung des Test können wir unser Ergebnis als PDF sichern und bekommen nützliche Tipps an die Hand, wie wir unseren Abdruck verkleinern können. -> zum Test

Der Fußabdruckrechner von der Grünen Jugend

Ebenfalls super einfach zu bedienen und in wenigen Minuten ausgefüllt. Nach jedem beendeten Themengebiet sehen wir anhand einer Bergkulisse, wie wir unsere Welt verändern.Fliegen wir beispielsweise viel, so wird ein Flugzeug auf dem Bild angezeigt. Dieser Rechner geht noch etwa tiefer in die Materie und erfragt zum Teil sehr genaue Angaben (aber umso genauer ist letztlich auch das Ergebnis). -> zum Rechner

Als ich beide Tests beendet habe, fiel mir auf, dass ich bei beiden ganz unterschiedlich abgeschnitten habe. Ich kann mir vorstellen, dass das einerseits an der Frage nach möglichst exakten Werten gelegen hat (ich bin leider absolut kein Zahlenmensch…) und dass beide unterschiedliche Schwerpunkte haben. Aber das sind nur zwei Dinge, wie ich mir den Unterschied erklären würde. Ich würde empfehlen, dass ihr euch die 5-10 Minuten nehmt und einfach mal beide Tests ausprobiert. Die Wahrheit liegt bekanntlich oftmals in der Mitte.

Der durchschnittliche Fußabdruck der Deutschen

Bewusstsein schaffen

Wenn man sich mal anschaut, wie groß oder klein der eigene ökologische Fußabdruck ist, dann geht es hier nicht um Gut oder Böse. Um Schlechter oder Besser. Es geht darum, einfach mal in Bildern und Zahlen zu sehen, was unsere (unbewussten) Handlungen und Lebensweisen für einen Einfluss auf unseren Planeten haben. Zu sehen, dass alles, was wir tun, eine Spur hinterlässt und uns im Anschluss selbst einmal die Frage zu stellen, ob wir (dennoch) so handeln wollen oder nicht.

Nicht alles kann auf einmal verändert werden. Manches möchte man vielleicht auch gerade gar nicht ändern, weil man in anderen Lebensbereichen gerade größere Baustellen hat, oder die Art der Veränderung gerade zu groß ist. Das ist auch vollkommen in Ordnung. Jeder noch so kleine Schritt zählt!

Baby Steps

Wenn wir von kleinen Schritten sprechen, dann sprechen wir meist von Dingen, die wir ohne großen Zeit- oder Kostenaufwand integrieren können. Dinge, die uns leicht fallen und aufgrund dessen auch direkt wieder Spaß machen.

Zum Beispiel:

  • Frisches und loses Obst und Gemüse im Supermarkt nicht in diese kleinen Plastiktütchen zu packen, sondern sie so mit zur Kasse zu nehmen. Wenn es nun aber z.B. doch zu viele Champignons sind, dann kann man auch eine Tüte nehmen und diese immer und immer wieder mit zum Einkauf nehmen.
  • Den Wochenmarkt zu besuchen und unser Obst und Gemüse frisch und regional zu kaufen. So vermeiden wir lange Transportwege (ihr erinnert euch noch an die steigenden CO2-Emissionen?) und unterstützen unsere lokal ansässigen Bauern.
  • Öfter mal auf Leitungswasser zurückzugreifen, anstatt abgefülltes im Supermarkt zu beziehen. Die Wasserqualität in Deutschland ist wirklich gut und nur in Einzelfällen (Stichwort: Bleirohre) bedenklich.
  • Gerade in der kalten Jahreszeit die Fenster nicht auf ‚Kipp‘ zu haben, sondern sie gelegentlich für ein paar Minuten weit zu öffnen und so einen gezielten Luftaustausch zu machen (Stoßlüftung).

Wenn die erste (kleine) Veränderung erstmal zur Normalität geworden ist, dann fällt es umso leichter, sich einer weiteren zu öffnen. Und so können wir Stück für Stück die Welt – unser zu Hause – wieder ein bisschen gesünder machen.

Eine Afrikanische Weisheit besagt:

‚Viele kleine Leute, die in vielen kleinen Orten viele kleine Dinge tun, können das Gesicht der Welt verändern.‘

 

 

Quellen außerhalb meiner Erfahrungen:
Umwelt Bundesamt
Pressemitteilung Earth Overshoot Day